(dis)appointment

Subtitle:Walking Performance, Software Art |
Participants:8 – 12 Studierende der Kunst, Design, Architektur und Kulturwissenschaften. Altersspanne 20 – 35 | Duration:4 Tage | Language:Deutsch, Englisch, Russisch | Equipment:Smartphone, iPad oder Laptop mit mobilem Internet, langlebiger Akku, robustes Schuhwerk | Software:Debord App (Possible Rendezvous App) |

Der Workshop „(dis)appointment“ beschäftigte sich mit künstlerischen Praktiken, die die physische und psychische Erfahrung des Gehens, die subjektive Wahrnehmung städtischer und suburbaner Räume und die darauf basierende digitale Kartographie einbeziehen. Die Hauptthemen waren: die Stadt als Raum der Täuschung, der Enttäuschung, der Gefahr, des Scheiterns, der Verlorenheit und der Frustration; der urbane Raum als Projektionsfläche für dystopische Imaginationen.

Der Workshop bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der theoretische Teil beinhaltete eine kurze Einführung in die Geschichte der Walking Performance und des Art Mapping sowie Beispiele aus der zeitgenössischen Kunstgeschichte in Bezug auf meine eigene Arbeit. Der praktische Teil des Workshops bestand aus der Entwicklung des Prototyps einer Walking-App und der anschließenden Walking-Performance, die wir am zweiten und dritten Tag gemeinsam durchführten.  

Ziel des Workshops war es, Walking-Praktiken in der zeitgenössischen Kunst kennenzulernen und digitale Medien mit körperlichen Erfahrungen zu verbinden.

Am ersten Tag behandelten wir die theoretischen Grundlagen, dabei wurden Schlüsselbegriffe wie Lettrismus, Dérive und Psychogeographie angesprochen und Künstler:innen und Theoretiker:innen wie Asgern Jorn, Constant, Santiago Sierra, Kollektivnye Deystviya, Heath Bunting, Janet Cardiff, Richard Long, Tehching Hsieh und Francis Alys sowie (Filmemacher:innen) Jules Dassin, Patrick Keiller und John Rogers und (Autoren:innen) Guy Debord, Henri Lefebvre, Karen O’Rourke und Edward Dimendberg vorgestellt. Abschließend behandelten wir einige technische Aspekte des Mappings: Ausrüstung, elektronische Geräte, GPS-Recorder, Smartphones, Kameras, Audiorecorder, digitale Laser-Entfernungsmesser und klassische Geräte wie Kompasse. Software und Online-Plattformen: WordPress, Google Maps, Google Earth, Scribble Maps, Open Street Map, Photoshop und Illustrator.

Der zweite Tag war den Vorbereitungen für die Performance am dritten Tag gewidmet. Er begann im WRO Center, wo ich die „Possible Rendezvous App“, den Prototyp meiner aktuellen „Debord App“ vorstellte. Der Prototyp war das zentrale Werkzeug für die gemeinsame Performance am Tag 3. Auf die Präsentation des Prototyps folgte ein Demo-Lauf. Anschließend wurde der Prototyp gemeinsam aktualisiert, optimiert und für die Performance am nächsten Tag vorbereitet. Alle Teilnehmer:innen der bevorstehenden Performance mussten sich anonym in der App registrieren. Das WRO Art Center kündigte die Performance „Possible Rendezvous“ über alle Verteiler an, um möglichst viele Teilnehmer:innen zu gewinnen. Zum Beginn der Performance konnte die App 25 registrierte Nutzer:innen verzeichnen.Gegen Mitternacht erhielten alle registrierten Teilnehmer:innen eine Einladung zu einem Possible Rendezvous am nächsten Tag.

Der dritte Tag war der Performance-Tag. Er begann um Mitternacht. Das Gebiet des Possible Rendezvous umfasste ganz Wroclaw und Umgebung mit einer Gesamtfläche von ca. 400 km². Der Zeitrahmen umfasste 24 Stunden, beginnend und endend um Mitternacht. Innerhalb dieser 24 Stunden versuchten die Teilnehmer:innen, ihre Treffpunkte pünktlich zu erreichen. Die Software verschickte 12 Einladungen an 25 registrierte Nutzer:innen, um 12 Matches ein Rendezvous möglich zu machen. Da die Anzahl der Teilnehmer:innen ungerade war, musste ein Joker eingesetzt werden. Dieser Joker erhielt Einladungen zu allen Rendezvous und konnte selbst entscheiden, an welchem er teilnehmen wollte.

Die Einladungen wurden blind und willkürlich verschickt und enthielten völlig zufällige Kombinationen von Zeit, Ort und Nutzer:innen. Niemand schaffte es, pünktlich zu den Terminen zu erscheinen, so dass kein erfolgreiches Treffen zustande kam. Dennoch waren alle Teilnehmer:innen voller Erlebnisse, die sie gerne am nächsten Tag teilen wollten.

Am Tag 4 war das letzte Treffen mit allen Teilnehmer:innen, bei dem alle von ihrem Rendezvous berichteten und Feedback zum Workshop gaben. Diejenigen, die der Einladung gefolgt waren und den Weg zum Rendezvous gewagt hatten, konnten ihre Geschichten kaum zurückhalten. Natürlich war es frustrierend, all die Hindernisse auf dem Weg zu überwinden, aber alle waren begeistert von dem, was sie erlebt hatten. 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WRO waren von allen Berichten begeistert und sagten am Ende: „Danke, dass ihr uns unsere eigene Stadt gezeigt habt!

Camera:Ina Valentinova, Katarzyna Rębisz | Web Development:Yuri Popov | Special thanks to:Magdalena Kreis & WRO Art Center | Institution:WRO Art Center, Wroclaw / Polen |
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