Mögliche Verabredungen

work in progress

2017

 
Ort: die ganze Erdoberfläche
Material: WordPress, Google Maps, Pseudozufallszahlengenerator „Mersenne-Twister“
 

„Possible Rendezvous“ ist eine Webanwendung, die die Verabredungen von zwei «zufälligen» anonymen Personen arrangiert. Jeder registrierter App-Benutzer erhält eine Einladung zu einem Rendezvous mit irgendeinem anderen zufälligen Benutzer, irgendwo an einem zufälligen Ort, zu einem beliebigen Zeitpunkt. Die Kombination (Zeit/Ort/Treffpartner) ergibt sich algorithmisch mit Hilfe Pseudozufallszahlengenerators. App-Benutzer haben keinen Einfluss auf die Einzelheiten der Verabredungen. Sie können sich entscheiden, den Termin anzunehmen oder nicht, aber wenn sie ihre Entscheidung getroffen haben, wird die App sie auf eigene Gefahr auf eine Reise ins Ungewisse schicken.
 
 
Die Inspiration hinter dem Titel kommt von Guy Debords „Theorie des Umherschweifens“, genauer gesagt von seinem Konzept der „möglichen Verabredungen“ – blinden Begegnungen, die ohne vorherige Bekanntgabe der betreffenden Person oder des Treffpunkts arrangiert werden:
 
„Der Betreffende wird gebeten, sich zu einer bestimmten Stunde an einen ihm angegebenen Ort allein zu begeben. Er braucht nicht mehr die unangenehmen Verpflichtungen der gewöhnlichen Verabredung zu befolgen, da er auf niemanden warten muss. Da diese “mögliche Verabredung” ihn aber unerwartet an einen Ort geführt hat, den er sowohl kennen als auch nicht kennen kann, betrachtet er die Umgebung aufmerksam. Möglicherweise hat man sogar einen anderen, dessen Identität er nicht voraussehen kann, an den selben Ort zu einer “möglichen Verabredung” bestellt. Er mag diesen auch nie gesehen haben, was dazu anregt, ein Gespräch mit verschiedenen Passanten anzuknüpfen. Er kann entweder niemanden treffen oder sogar zufällig den, der die “mögliche Verabredung” festgesetzt hat. Auf jeden Fall und vor allem, wenn Ort und Stelle gut gewählt worden sind, wird die Art und Weise, wie der Betreffende seine Zeit verbringt, unvorhergesehen ausfallen.“

Guy Debord, „Theorie des Umherschweifens“, 1958

 
Die vorliegende Anwendung ist ein digitales Werkzeug, das das debordsches Konzept umsetzbar macht.
 
 
 
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Die Anwendung wurde zum ersten Mal am 19. November 2017 im Rahmen meines Workshops „(dis)appointment“ in WRO-Center, Wroclaw/Polen getestet.
 
 
Konzept: Andrey Ustinov
Webdesign, Programmierung: Yuri Popov
Footage: Ina Valentinova, Katarzyna Rębisz
Besonderer Dank an: Magdalena Kreis & WRO Art Center, Wroclaw / Poland
 
 

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